05.04.2005

Als Handwerker zogen sie weg vom Nil

Der Verein der Balkanägypter in Westeuropa e.V. hat seinen Sitz in Mülheim an der Ruhr


Pulverfass Balkan: Kaum eine andere Region auf der Welt hat in jüngster Vergangenheit
so viele Veränderungen erlebt wie diese Halbinsel. Ereignisse, die sich bis nach
Mülheim auswirken: Hier nämlich sitzt der Verein der Balkanägypter in Westeuropa
e.V. - was es nicht alles gibt.Ägypter, so erklärt es die Vereinsvorsitzende
Robertina Ashouri, seien bereits seit der Zeit Ramses II. - vor allem als Handwerker
- auf dem Balkan erwähnt und gefragt. "Athen ist im Prinzip von Ägyptern gebaut worden",
so Ashouri.
Sie schätzt, dass es etwa 1,5 Mio Ägypter auf dem Balkan gibt, die sich als - im
Selbstverständnis - homogene Gruppe auf Bulgarien, Albanien, Griechenland und Mazedonien
verteilen. Das große Problem: Sie werden in vielen dieser Länder als Minderheiten
unter "Sonstige" geführt. Und das mache es im Alltag schwierig. Etwa wenn es um
die Vergabe von Studienplätzen gehe, die sich nach einem Bevölkerungsschlüssel richte.
Durch den Krieg im Kosovo kamen viele Balkanägypter als Flüchtlinge auch nach
Deutschland. Im Jahr 2000 gründete sich schließlich der Verein - in Mülheim, weil
die Stadt im Ruhrgebiet zentral für die Mitglieder liegt, die sich hier größtenteils
niedergelassen haben. "Wenn wir auf uns nicht aufmerksam machen, weiß ja keiner,
dass wir hier sind", erläutert Ashouri.

Sie selbst stammt aus Mazedonien und kam nach ein paar Jahren in Jordanien mit ihrem
Mann 1996 aus beruflichen Gründen nach Deutschland. Ashouri spricht sieben Sprachen
und ist Übersetzerin. Den Vorsitz übt sie seit Gründung des Vereins aus.
Anfangs waren gut 30 000 Balkanägypter in Deutschland organisiert. Derzeit kann
Ashouri immerhin noch mit gut 1200 aktiven Mitgliedern rechnen. Sie verschaffen sich
so eine politische Stimme - etwa wenn es um Abschiebungen in den Kosovo geht oder
Kriegsverbrechen aufgeklärt werden sollen. Aber sie feiern und pflegen auch ihre Traditionen,
die bis in die Zeit des alten Ägypten zurückgehen.Das ist seit kurzem übrigens auch wissenschaftlich
fundiert: In einer ethnologischen Doktorarbeit konnte nachgewiesen werden, dass die Ägypter
tatsächlich schon zu Zeiten des Pharaos Ramses II. auf den Balkan kamen. ra
www.balkanaegypter.de

 

12.11.2004

Innenministerkonferenz am 18./19. November 2004

Auf der kommenden Innenministerkonferenz am 18. und 19. November in Lübeck werden wieder die Situation in Afghanistan, dem Irak und dem Kosovo sowie eine allgemeine Bleiberechtsregelung auf der Tagesordnung stehen. Der Flüchtlingsrat NRW e.V. fordert in einem Schreiben an den Innenminister von NRW, dass er sich auf der Innenministerkonferenz für ein Bleiberecht langjährig hier geduldeter und integrierter Menschen einsetzt, außerdem fordert der Flüchtlingsrat NRW Bleiberechtsregelungen für Afghanen, Iraker sowie Minderheiten und besonders verwundbare Gruppen aus dem Kosovo. Aufgrund der andauernden Menschenrechtsverletzungen gegenüber Tschetschenen und der anhaltend harten Haltung Putins sollten auch tschetschenischer Staatsangehörige in Deutschland ein Bleiberecht erhalten, so der Flüchtlingsrat NRW.

Auch diesmal sind wieder Proteste in Lübeck geplant. Am 17.11. um 20 Uhr lädt das Lübecker Flüchtlingsforum zu einer Veranstaltung in der Diele, Mengstr. 41 mit Günther Burkhardt (Pro Asyl), Heike Behrens (Lübecker Flüchtlingsforum), Martin Link (Flüchtlingsrat Schleswig-Holstein), Fanny Dethloff (Nordelbische Kirche) und betroffenen Flüchtlingen ein. Am 18.11. um 17 Uhr startet eine Demonstration am Radisson Hotel, Willy-Brandt-Allee, wo die Innenminister übernachten. Der Zug geht über die Ausländerbehörde in Richtung Rathaus, wo auch die Abschlusskundgebung stattfindet.

Sternschnuppe in der Vorweihnachtszeit - Dieter Wiefelspütz für Bleiberechtsregelung und Öffnung des Arbeitsmarkes

Wer letzten Mittwoch die Frankfurter Rundschau aufschlug, mochte sein Augen kaum trauen. Groß, breit und unübersehbar spricht sich Dieter Wiefelspütz, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, hier für eine allgemeine Bleiberechtsregelung und für eine Öffnung des Arbeitsmarktes für Flüchtlinge aus. Wörtlich erklärt Dieter Wiefelspütz: "Wir haben unter den Flüchtlingen, die bisher nur geduldet sind, sehr viele Familien mit Kindern, die hier geboren oder aufgewachsen sind. Mir will nicht einleuchten, warum wir diese Menschen, die womöglich seit acht oder zehn Jahren in Deutschland leben und daraus ihre Identität schöpfen, aus ihrem Dasein in Deutschland reißen und in eine unsichere Zukunft abschieben. Diesen Flüchtlingsgruppen sollten wir aus humanitären Gründen, aber auch aus Gründen der Integration ein Bleiberecht einräumen." Dieter Wiefelspütz sieht unter den Innenministern eine "gewachsene Bereitschaft, über das Problem zu sprechen". Schließlich fragt er "Warum sollte es nicht gelingen, auf diesem Sektor ein Bündnis für Humanität und Vernunft zu schließen?" Man darf auf die Innenministerkonferenz sehr gespannt sein.

Aber mit dieser "frohen Botschaft" nicht genug. In dem gleichen Artikel setzt sich Dieter Wiefelspütz für eine Öffnung des Arbeitsmarktes für Flüchtlinge ein. Konkret spricht er von einer Verkürzung der einjährigen Wartefrist und dem Abbau bürokratischer Hürden, die es Flüchtlingen erschweren, für ihren Lebensunterhalt selbst zu sorgen. Schließlich habe die Möglichkeit zu arbeiten, ja auch etwas mit Menschenwürde zu tun, so Wiefelspütz weiter. Lang gehegte Befürchtungen, dass durch eine Öffnung des Arbeitsmarktes Anreize zur Einreise nach Deutschland geschaffen würden, oder heimischen Arbeitskräften eine Konkurrenz erwachsen würde, wollte er nicht gelten lassen. Stattdessen kündigte er eine Initiative zu Öffnung des Arbeitsmarktes an.

Das vollständige Interview finden sie im Internet unter:

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=586677&